Erinnerung an Peter Gingold

An Peter Gingold, den jüdischen Widerstandskämpfer und Kommunisten, erinnerte die VVN/BdA Solingen. Seine Tochter Alice und sein Enkel Juri lasen aus Peters Erinnerungen, die als Buch beim Verlag PapyRossa erschienen sind. Passend fand die Lesung im Max-Leven-Zentrum statt, gibt es das Zentrum ja zur Erinnerung an den Genossen Max Leven, der vor den Augen seiner Familie in der Progromnacht erschossen wurde. An dem Ort, wo auch die Redaktion der „Bergischen Arbeiterstimme“ Quartier hatte. So war dieser Abend Peter G. und Max L. gewidmet, standen sie doch gemeinsam auf gegen die Braune Pest.

In der Lesung wurde berichtet von Peters Jugend in Frankfurt, wie er begann, sich für Politik zu interessieren, wie der Nazisterror begann, die Familie floh und sein Anschluss später an die Résistance in Paris begann und verlief. Eindringlich die Schilderung über seine abenteuerliche Flucht nach der Verhaftung durch die Gestapo. Schließlich stand die unbeschreibliche Freude der Befreiung der Stadt von den Nazitruppen. Peter war direkt beteiligt. In Filmeinspielungen war aus seinem Mund immer wieder vom Stolz über das Erreichte zu sehen und zu hören. All das war für Peter überschattet vom Schmerz über den Tod von Familienmitglieder in Auschwitz und des Bruders.

Ebenfalls erwähnt wurde der Skandal der verweigerten Staatsbürgerschaft nach der Rückkehr aus Frankreich und das spätere Berufsverbot für die Tochter Silvia.

Alice und Juri

Peters Vermächtnis ist wohl sein unablässiges Wirken der Aufklärung vor allem junger Menschen über den Faschismus und die eindringliche Aufforderung, nicht nachzulassen Menschlichkeit und Demokratie immer und überall zu verteidigen. ‚Wir haben vieles falsch gemacht‘ – so etwa seine Stimme, ‚aber wir wußten nicht, was Faschismus an der Macht ist. Aber jetzt wissen wir es‘. Unvergesslich ist Peters Auftritt in Solingen am ersten Jahrestag des Brandanschlag vor 1993.