Die Provinz im Hochsommer

Heute schreiben wir über Hitze, über Solingen wird Rüstungsstadt, über den Tod an der Münstener Brücke und den 100. Geburtstag des Commandanten Fidel.

Die Hitze ist nachmal schier unerträglich. Lechzen nach Schatten, Trinken, Wasser überhaupt. Die Katastrophe rollt vor unseren Augen ab. Sehen, wie alles vertrocknet, tut weh. Auch im Fernsehen viel größeres Drama. Es brennt allerorten. Die Stadt ist heiß. Angebote an Brunnen etc. – eher mau. Die Anfrage der Linksfraktion nach Sofortmaßnahmen, die Stadtseitig ergriffen werden, läuft ins Leere. Die Beantwortung des Fragenkatalogs wird auf September vertröstet! Aber jetzt ist es doch heiß! Die Verwaltung hat noch nichts gelernt.

Aber die Politik läuft weiter. Aufmerken läßt die Nachricht, die durch Rathaus und Fraktionen kursiert: Rheinmetall, die Todeswaffenschmiede aus Düsseldorf, beabsichtige eine Drohnenproduktion in Solingen zu schaffen. Eine Tochterfirma? Wird sich zeigen. Das gibt schon Anlaß, sich noch mehr Sorgen um unsere Stadt und ihre Bewohnerinnen und Bewohner zu machen. Wenn die Weltpolitik weiter so läuft mit Konflikten, Konfrontationen, Kriegen die mehr werden und immer mehr Menschen einbeziehen, dann erreicht die Bedrohnung nachzu alle Fleckchen der Erde. Eine Drohnenfabrik in Solingen wäre eine „wunderbare“ Zielscheibe. Wie andere militärische Orte hierzulande, Düsseldorf und Solingen daneben. Wir werden mit der Nase darauf gestoßen, wie eminent wichtig es wäre, endlich Schritte zur Dämpfung von Konflikten, zur Entspannung und Verständigung mit allen Ländern aufzuspüren und einzuleiten.

Brücke und Kiosk

Tragisch und Wutmachend sind die Informationen, die wir aus betroffendem Munde und aus der Zeitung bekommen. Die Betreiber des Kiosk und des Minigolfplatzes erleben immer und immer wieder, wie Menschen mit Sturz von der Müngstener Brücke ihr Leben beenden. Unfassbar traurig. Effektive Sicherheitsmaßnahmen mittels Netzen werden von Verantwortlichen als undurchführbar bezeichnet. Das Tageblatt von heute (13. August) informiert. Mutmaßungen kursieren: Umfassende und stabile Netze könnten baulich-optisch die Chancen des Bauwerks auf „Weltkulturerbe“ schmälern.(??) So sieht dann die Kehrseite des Kulturerbe-Projektes aus. Eben, alles wird vermarktet …

Unser Progressive Kalender blinkt unaufhörlich und erinnert – Fidel hat 100!

Seit vor 67 Jahren die Rebellen in der Sierra Maestra Batista und seine Blutsaugerclique davon gejagt haben, geht der Kampf, damit es gelingen möge, eine wirklich demokratische und humanistische Gesellschaft aufzubauen. Kampf um eine wirkliche Zeitenwende. Heute können wir feststellen, dass die ganze fortschrittliche Welt Augen und Herz auf diese Karibikinsel richten und sich verbunden fühlen. Heute erst recht, da der US-Imperialismus alles dransetzt, dem Land und den Menschen die Luft zu atmen abzudrehen. Die Not ist gewaltig. Gewaltig aber auch die Entschlossenheit vieler Kubaninnen und Kubaner, ihr Erkämpftes zu verteidigen und alle Angriffe des Yankee-Systems abzuwehren. Unsere Solidarität ist gewiss – ganz im Sinne Fidels, der heute 100 geworden wäre.

Neue Notizen aus der Provinz

Wir beginnen heute mit einen Blick in den „Progressiven Kalender“ und erwähnen die Olympischen Spiele, die 1936 in Nazideutschland stattgefunden haben. In größtem Stil hat die Nazipropaganda versucht, Deutschland als offenes und friedliebendes Land dazustellen. Aus dem Widerstand heraus wurde Material hergestellt und verbreitet, in dem die tatsächlichen mörderischen Zustände im Land dargestellt wurden. Es sollte im „Reich“ und an die ausländischen Besucher verbreitet werden. Dazu passend erinnern wir am heutigen 2. August, an seinem Geburtstag, an den kommunistischen Arbeiter, Widerstandskämpfer und Leistungssportler, den Ringer Werner Seelenbinder. Er trat 1928 der KPD bei und schloss sich 1933 dem Widerstand an. Nach seiner Festnahme 1942 wurde ihm der Prozess vor den „Volksgerichtshof“ gemacht; nach Todesurteil wurde er 1944 im Zuchthaus Brandenburg enthauptet. Mit ihm Gedenken wir den vielen Sportlerinnen und Sportler, die sich den Nazis widersetzt haben und vielfach den Tod fanden. Überhaupt bietet der Blick in die Geschichte des Widerstandes von Sportlerinnen und Sportler gegen die Nazis viel Material, was uns höchste Anerkennung und Respekt verschaffen lässt.

In diesen Tagen, am 6. August 1945, vor 81 Jahren lösten die USA das Zeitalter der Atomwaffen aus mit dem Abwurf der Bomben auf Hiroshima und Nagasaki. Tausende Bewohnerinnen und Bewohner der Städte wurden sofort getötet. Tausende in den nächsten Tagen, Wochen und Monaten. Ein unvorstellbares Grauen, das die Welt vorher noch nicht gesehen hatte. Gleichzeitig wurde auch die neue Dimension der Massenvernichtung sichtbar, die durch die neue Waffen geschaffen wurde. Damit auch die Möglichkeit der Vernichtung den gesamten Lebens auf der Erde.

Dabei bestand aus der Sicht der damaligen Militärstrategen keine militärische Notwendigkeit für den Einsatz dieser grauenhaften Waffen. Hitlerdeutschland und seine Vasallen hatten bereits kapituliert. Japan stand kurz davor. Doch die USA wollten ein Zeichen setzen, wer von jetzt an das Sagen hat auf dem Erdball; das war vor allem an die UdSSR gerichtet. Damit war der Kalte Krieg vollend in Fahrt.

Die heutige Weltlage ist mehr als bedrohlich. Das atomare Wettrüsten ist in vollem Gange. Bestehende Atomwaffenpotentiale werden auf die neues Versionen umgerüstet. Und das in Ost und West. Russland ist zum Hauptfeind erklärt worden; taktische Atomwaffen sollen in Russland angrenzenden Länder stationiert werden. Auch in Deutschland liegen einsatzfähige Atomwaffen. Der letzte internationale Vertrag über die Begrenzung der atomaren Rüstung wurde nunmehr von den USA aufgekündigt. Auch die BRD lächzt nach „Atomarer Teilhabe“.

Wenn am 6. August die Friedensglocke in Hiroshima erklingt, wird sie in der gegenwärtigen internationalen Politik wenig Wiederhall finden. Wenig bleibt uns. Nur die Friedensbewegung. Nur das stetige Bemühen der Friedenskräft, dass endlich die Vernunft über Macht-Einfluss-Strategische-Interessen siegen wird.

Hier kommt Neues aus der Provinz

Bleibt aktuell

Gegen den Kahlschlag im Gesundheitswesen, bei Rente, Jugend- und Kinderhilfte hat sich eine Gruppe zusammengefunden, die aktiv sein will. Es sind Aktive aus Sozialverbänden, politischen Partei und sonst Interessierte. Das zweite Treffen fand im Büro des Betriebsrates Klinikum zusammen. TeilnehmerInnen umrissen schon mal die Themen und fanden auch eine Losung, unter der am 10. Oktober eine große öffentliche Widerstandsaktion stattinden wird: „Sozial – solidarisch – Solingen„.

Schüsse in Ohligs gestern setzten Polizei und Hilfskräfte in Alarm, Anwohner gerieten außer Atem und die Sache wurden im Flug zum Stadtgespräch. Wie berichtet, wurden an zwei Stellen im Stadtteil Schüsse abgegeben. Ort: Es muss sich um einem italienischen Supermarkt handeln. Die Ermittlungen laufen auf Hochtouren. Wir berichten weiter.

Bleiben wir aktuell: Die heutigen Berichte lesen sich wie was aus dem Wilden Westen. Ein Schwerverletzter, Besitzer des Supermarktes. Alle wünschen ihm, dass der bald wieder auf die Beine kommt. Wir auch. Nebenan, die Alaska-Bar, Besitzer auch er. Dort auch Schüsse, die den Rollladen durchlöcherten. Wie, was, von wem, bleibt vorerst noch im Dunkeln. So richtig faktensicher scheint nur die Aussage einer Rentnerin zu sein, die in die Düsseldorfer Straße einbog, als ihr ein Mann mit einer Pistole entgegenstürmte und dabei noch in die Luft schoß. Beherzt, die Szene überblickend, schwang die Rentnerin ihren Stock und schlug ihm auf den Arm unter Ausstoßen von Schimpfwörtern. Alles regt zum Schmunzeln an, ist aber ernst. All das ist für die Kräfte ein gefundenes Fressen, die hartes Durchgreifen wollen und das auch auf dem Stimmzettel zum Ausdruck bringen. Gerne geben wir zum Abschluß wieder, was eine Solingerin dem Tageblatt anvertraute: „Diese Stadt ist nichts für schwache Nerven“. (Zitalwiedergabe TB 30.7.26).

Ein Brand in einem Haus am Werwolf alarmierte. Es brannte fast vollständig aus. Wir greifen die dramatische Geschichte dieses Hauses auf und geben wieder, was das Max-Leven-Zentrum informiert: Hier baute die jüdische Familie Marcus 1924 ein Haus. Sie betrieben eine Kinderarztpraxis. Frau Marcus wuchs in Prag auf. Sie war Mitglied der „Liga für Menschenrechte“, der auch Albert Einstein angehörte. 1936 wurde Walter Marcus von den Nazis die Kassenzulassung entzogen und er verlor auch seine Arztzulassung. Nach der Progromnacht wurde er verhaftet und nach Dachau deportiert. Freigelassen musste er binnen kürzer Zeit Nazideutschland verlassen. Die Tochter Eva schrieb später an das Tageblatt, sie wolle sich nicht mehr mit der Sache befassen. Sie schrieb: „Es ist sehr schlimm, wenn Menschen, die man kannte, sich in eine wilde, unbeherrschte, irrsinige Horde wandeln, der man nichts sagen kann und die mit Wut alles zerstört und verbrennt“.

Die letzte Mitgliederversammlung befasste sich dem Kahlschlag im Gesundheitswesen. Mittlerweile hat sich zum Widerstand ein Bündnis gebildet, das für Oktober eine Widerstandsaktion vorbereitet. Wir berichteten. Ferner wurde informiert über die Kanditatur der DKP zur Landtagswahl 2027. Hierzu gab es keine unterstützende Meinungen; vielmehr sollten eher in dieser dramatisch-bedrohlichen Zeit nach Bündnissen und Kräftebündelungen gesucht werden. Da sei gegenwärtig eine Eigenkandidatur nicht hilfreich. Ein Redner brachte seinen Unmut zum Ausdruck über die Sanktionsmaßnahmen des Parteivorstands gegenüber den „Marxistischen Blätter“ und stellte seine weitere Unterstüzung des PV damit in Verbindung. Er habe die UZ ab- und dafür die „Blätter“ bestellt.

„…gegen die Ungerechtigkeit dieser Welt“

Das ist zu lesen auf der Gedenkplatte in Freiburg im Breisgau für den in Nicaragua von Contras ermordeten Kommunisten Berndt Koberstein. Geschehen genau heute vor 40 Jahren, am 28. Juli 1986. Wir erinnern uns an Berndt; es gab persönliche Beziehungen zu ihm.

Berndt K./Foto UZ

Berndt war zunächst als Teilnehmer der DKP-Brigade „Carlos Fonseca“ in Nicaragua; dann arbeitete er an dem Projekt einer Wasserleitung nahe des Ortes Wiwili, zum dem Freiburg partnerschaftliche Verbindungen aufbaute. Da war er mit Leib und Seele dabei. Hier konnte er sein ganzes Können als gelernter Maschinenschlosser einsetzen. Die Wasserleitung war zum Zeitpunkt seines Todes fast fertig. Sie ist heute noch in Betrieb und versorgt 10.000 Menschen mit sauberem Wasser. So ist diese Wasserleitung, die so vielen Menschen half und hilft, Berndts Lebenswerk geworden. Dort setzte er sein Herzblut ein und schließlich auch sein Leben.

Platte an der Wiwilbrücke in Freiburg /Foto privat

Die Wasserversorgung ist nach ihm benannt; ebenso eine Grundschule in der größeren Stadt Matagalpa. So ehrt ihn der Staat Nicaragua; die Stadt Freiburg tut sich sehr schwer, einen Kommunisten zu ehren. Aber eine breite Community sorgt schon dafür, dass dieser freundliche junge Mensch und Internationalist nicht vergessen wird. Vergessen ist auch nicht die Mordtat der von den USA gestützten Contras.

Wieder in der Provinz

Die Wogen um das Theater- und Konzerthaus gehen weiterhin hoch. Die Abrissgegner haben bereits über 2400 Unterschriften gesammelt. Kann gut sein, dass die SPD auch einen festen Abriss-Nein-Standpunkt findet. Die Experten der Verwaltung lassen die Architekten fleißig ins Horn blasen, das T&K sei total marode, Abriss alternativlos. Einwand: Das zielgerichtete Schlechtreden einer Sache hat Tradition. Wurde beim alten Bahnhof angewendet. Immerhin handelt es sich um ein Giga-Projekt: Theaterabriss und Neubau, Aufbau der Zentralfeuerwache, Abriss der Feuerwachen Wald und Katernbergerstraße. Da winkt für die Architekten schon ein gewaltiges Sümmchen an Honorar. Nach der offiziellen Rechnung soll die positive Auswirkung auf den Haushalt nach Abschluß des Riesenprojekts (irgendwann) erst nach vielen Jahren sein. Davor müssen stadtseitig hunderte Millionen aufgebracht werden und das natürlich mit erheblichen Zinsen. Und das bei der nicht nur für Solingen katastrophalen Finanzlage. Wo die bescheidenen Finanzmittel dringend für andere Dinge gebraucht würden. (Bildung, Kultur, Nahverkehr usw.) Allen Ernstes wird auch eine „Einsparnis“ darin gesehen, nach Zusammenlegung der Feuerwachen könnte man Feuerwehrpersonal einsparen. Damit gerät die Sache ins Absurde. In einer Zeit, in der wir jeden Tag aufs Neue drastisch vor Augen geführt bekommen, dass die Klimakatastrophe die Wälder brennen, die Städte überschwemmen, die Meere überhitzen, die Flüsse austrocknen lässt. Wo wir erkennen müssen, dass wir zur Sicherung und Rettung von Mensch und Natur viel mehr engagierte Fachleute brauchen, also zum Beispiel Feuerwehrleute. Wir haben es mit einem sich abzeichnenden Desaster zu tun; da heißt es mit Verstand, Weitsicht und Verantwortungsgefühl an die Sache herangehen. Nicht auswärtige Architekten und Planer tragen letztlich Verantwortung, sondern wir, wir hier in dieser Stadt.

Wir sind weiter dafür, die begonnenen Arbeiten an T&K fortzusetzen und dafür 60 Millionen zu investieren. Das können wir gegenüber den Menschen in unserer Stadt verantworten. Aber Milchmädchenrechnungen und Luftschlösser – nein danke!

Eine aktuelle Erklärung der Linkspartei zum Thema fasst alles zusammen. Hier ist sie:

Wieder gehts um T&K: Erstmals in der für uns überschaubaren Geschichte des Solinger Partamentarismus gibt es in der Sommerferienzeit eine Sondersitzung des Rats. Am Montag, den 20. Juli, beantragt von der AfD. Sie stellen den Antrag, dass sofort mit der Erstellung einer Machbarkeitsstudie für das T&K begonnen wird, und zwar mit der Variante Einbeziehung des P&C-Gebäudes für das Theater. Ferner wurden als TO-Punkte beantragt: Satzung der Stadt Solingen sowie „Situation der Solinger Schulen“. An diesem Punkt geht es ihnen um die Regenbogenfahnen oder Pride-Fahnen vor den Schulen. Wir werden berichten.

Sorgen bereitet die Sicherheit, konkret die geplante neue Feuerwehrleitstelle für die Städte Solingen und Wuppertal. Eine solche existiert, ist aber zu klein und möglichen erhöhten Anforderungen in der Zukunft nicht gewachsen. Den Befürwortern steht die Katastrophe im Ahrtal vor zwei Jahren vor Augen. Eine Leitstelle wie geplant, der Neubau, kostet ca. 50 Millionen; die Krankenkassen sollten sich daran beteiligen. Was diese nun abgelehnt haben. Die beiden Städte allein können das nicht bezahlen, wie aus den Rathäusern mitgeteilt wird. So ist das Projekt vorerst gestrichen. Wirft viele Fragen auf.

Jetzt ist die Sondersitzung des Rats gewesen. (20. Juli). Sie begann mit einer Erklärung des Fraktionsvorsitzenden der SPD, Ernst Lauterjung. Er argumentierte, die Sitzung sei überflüssig, es sei mit demokratischer Mehrheit beschlossen worden, das Thema T&K nach den Ferien zu behandeln und dazu zu beschließen. Noch seien zu viele Fragen offen, diese müssen ohne Zeitdruck noch geklärt werden. Immerhin handele es sich um ein Millionenprojekt, das zu behanden größte Sorgfalt bedürfe. Das und die weiteren AfD-Anträge wurden vertagt. Von bestimmter Bisanz war der vom AfD-Mann eingangs gestellte Geschäftsordnungantrag zur TO: Angesichts des historischen Datums, der 20. Juli, solle eine Gedenkminute stattfinden für die damaligen Helden und alle Widerstandskämpfer und alle Opfer der Nazigewalt. Inhaltlich geäußert hat sich dazu aus dem Rat niemand. Es ist eine Frechheit, dass von einer Partei, die für die extreme Rechte steht, für Rassismus, Ausländerfeindlichkeit, Bekämpfung von Andersdenkenden sowohl politisch als auch in anderen Lebenssphären, ein solches Ansinnen kommt. Der AfD-Antrag wurde nicht behandelt.

Bleibt noch anzumerken, dass heute in Berlin am Bendlerblock sich ganz Ähnliches abgespielt hat: Dort wollte jemand bei der Gedenkfeier ein Kranz der AfD niederlegen. Ein anwesender Nachfahre von Stauffenberg duldete das nicht – mit einem Handgemenge war auch das erledigt. Mit solchen Provokationen werden wir es in der Zukunft verstärkt zu tun haben.

Erinnerung an Spanien 1936

Wir erinnern an den Beginn des Spanischen Krieg zur Verteidigung der Republik heute vor 90 Jahren. In unserer sozialistischen und kommunistischen Kultur haben das Ereignis und die vielen Genossinnen und Genossen, die der bedrohten Republik in ihrem Kampf Beistand leisteten, einen festen Platz.

Am 16. März 1936 siegte die linke Volksfront in den Parlamentswahlen, wenn auch knapp mit 150.000 Stimmen. Land- und Fabrikarbeiter sahen sich in ihren sozialen Forderungen gestärkt und reagierten mit Streiks und Landbesetzungen, um ihren Anliegen Nachdruck zu verleihen. Die Rechten im Bündnis mit dem katholischen Klerus machten ihrerseits mobil mit gezieltem Terror. Das Gespenst der „kommunistischen Machtergreifung“ wurde beschworen. Auch weite Teile des Militärs stellten sich gegen die Republik. An ihrer Spitze einer der bekanntesten Generäle, Francisco Franco, der bei den Kolonialtruppen in Spanisch-Marokko stationiert war. Von dort aus wurde am 18. Juli 6 Uhr morgens das Signal zum Aufstand gegeben mit dem Rundfunksignal „Über ganz Spanien wolkenloser Himmel“.

Die Zentralregierung erkannte die bedrohliche Lage zu spät. Man rief dazu auf, dem gewohnten Alltag nachzugehen. Dennoch kam es zu Widerstandsaktionen gegen den Putsch von Teilen des Miltärs und Arbeitermilizen; in vielen Städten wurden die Kasernen belagert. So scheitere der Putsch in Madrid, Valencia und Barcelona sowie auf der Insel La Palma. Putschisten erhielten sofort fianzielle und logitische Unterstzung aus Hitlerdeutschland und Mussolini-Italien.

Die Gegner der Faschisten blieben in der schlechteren Position; Frankreich, England und die USA beschlossen eine „Nichteinmisches-Blockade“. Nur Mexiko und die Sowjetunion unterstützten die Kämpfenden, die UdSSR ab Herbst 1936 mit Waffen.

Demokraten, Sozialisten und Kommunisten in allen Ländern waren ergriffen von der Dramatik, die sich auf der Iberischen Halbinsel anspielte; sie erkannten die Gefahr, die der demokratischen Republik drohte. Dem Ruf, in der Stunde der Not zur Hilfe zu kommen, folgten Tausende aus vielen Ländern. Als antifaschistische Freiwillige bildeten sie Internationalen Brigaden. An ihren heldenhaften Kampf erinnern wir uns. Diese Erinnerung ist ein wichtiges Stück unserer demokratischen, sozialistischen und kommunistischen Tradition. In unseren Liedern zum Beispiel haben sie einen festen Platz.

Commandante Ernesto/In der Bildmitte / Foto UZ

Wir in Solingen denken an „unsere“ Spanienkämpfer, zuerst genannt der Genosse Ernst Buschmann, dann Theo Deis, Julius Kaupe und Felix Meschkuleit. Elf Solinger gingen nach Spanien, vier von ihnen kamen bei den Kämpfen ums Leben. (Die Namen haben wir vom Max-Leven-Zentrum).

Die Provinz erinnert an eine Revolution und anderes. Juli in der Hitze

Wir begehen den Jahrestag der Großen Revoution der Franzosen am 14. Juli 1789. Die großen Erwartungen, die mit „Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit“ verbunden waren und sind, haben sich bisher nicht erfüllt. Trotzdem hat dieses Großereignis Gewaltiges geleistet: Die Dominanz der feudal-klerikalen Produktionsweise erhielt ein Schlag. Das Mittelalter ging zu Ende. Neue Produktionsverhältnisse, die die Veränderungen antrieben, erhielten Wurzeln und erste Formen. Bezeichnend ist, dass das alte System sich wehrte; fortan stand die ganze europäische Reaktion gegen die Kräfte des Umbruchs in Frankreich auf. Die Interventionskriege begannen. Dennoch war der politische Umbruch deutlich zu spüren. So u. a. mit dem Versuch der ersten bürgerlich-demokratischen Republik in Mainz. Erinnern wir uns, was unsere Vorfahren Großartiges geleistet haben. Es bleibt unserer Aufgabe, den Hauch der Revolution der Franzosen immer wieder aufzugreifen und mit Leben zu erfüllen.

Im Südpark. Orchester mit Dirigentin

Zurück in die Niederungen, die auch Schönes und Positives zu bieten hat. So ist das Trassenfest voll gelungen. Dieses Ereignis, was als Ersatz für die abschaffte „Kulturnacht“ eingerichtet wurde, zog Tausende an; Stände und Darbietungen aller Art entlang der Trasse vom Südpark bis zum Botanischen Garten. Und das alles bei brütender Hitze. Wir können von einem Höhepunkt berichten: Auf einer riesigen Bühne im Südpark gaben die Bergischen Symponiker ein Konzert, was so viele Menschen anzog, sodaß die Wiese davor dich bedrängt voll war. Unter der Leitung der Stipendiatin Samira Nasser nahm das Orchester die viele Zuhörer mit auf eine Reise durch 1001 Nacht. Nach einer Zugabe wollte der Beifall nicht enden. Alles in allem: Einfach schön.

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Immer neue Notizen aus der Provinz

Themen heute: Trauer um Karin Seilheimer-Sersal, Veränderungen im Rat und der Bezirksvertretung Mitte, Pflanzkübel, die wandern, Landtagswahl, Glückwünsche nach Graz, Lachse in der Wupper, was zu Teo-Otto.

Feierlich: Hannah und Daniel F.

Gestern, Donnerstag 2. Juli 2026 wurde der Wechsel in der Linksfraktion im Rat der Stadt vollzogen. Bjarne Lattmann hatte das Mandat zurückgegeben. Für ihn ist Hannah Bender nachgerückt. Sie wurde zu Beginn der Sitzung von Oberbürgermeister Flemm auf die Landesverfassung verpflichtet, wie im Foto festgehalten. Wir gratulieren herzlich.

Wir müssen diese traurige Nachricht weitergeben: Die Genossin Karin Seilheimer-Sersal ist leider verstorben. Karin, die uns bestens bekannt war, war langjährig linke Kommunalpolitikerin; mehrere Jahre im Rat der Stadt, im Sozialausschuss und zuletzt in der Bezirksvertretung Solingen-Mitte. Die Sozialpolitik lag ihr besonders am Herzen. Ihr Wissen und ihre Erfahrungen gab sie gerne an andere, Betroffende und Ratsuchende, weiter. Dabei schöpfte sie aus eigenem Erleben, weil selbst betroffen. Für die Linkspartei war sie deren Finanzbeauftragte. Die Linkspartei und die Fraktion verlieren mit Karins Tod eine engagierte und mit der Sache zutiefst verbundene Genossin. Der Trauer schließen wir uns gerne an.

Jetzt muss in der Bezirksvertretung jemand nachrücken.

Die Innenstadt soll mehr Grün erhalten. So ist es im Projekt City 2030 der ISEK (Innenstadtentwicklung) enthalten. Das Konzept stammt vom Studio Quack aus Köln. Von den Solingern konnte so was wohl nicht kommen? Jedenfalls werden morgen auf dem Fronhof 15 Pflanzkübel aufgestellt; sie sind beweglich und wandern dann weiter zum Fühlstein. Gute Maßnahme, die uns mahnt, dass es viel mehr Pflanzen, Bäume und Sträucher in der Stadt geben muss.

Die Linkspartei rüstet sich zur Landtagswahl nächstes Jahr. Im Wahlkreis 1 kandidiert die Genossin Alexandra Mehdi; ihre Partei hat sie auch als Spitzenkandidatur NRW nominiert. Im Wahlkreis Solingen 2 kandidiert der Genosse Rolf Breuer. Sie sind beide bei uns bestens bekannt. Wie wir hören, will die DKP ebenfalls zur Wahl antreten. Es wurde bereits zu einer Landeswahlversammlung eingeladen.

Wahlerfolg in Graz. Die Genossinnen und Genossen in Graz in Österreich haben einen Riesenerfolg erreicht: Die Genossin Elke Kahr wurde wieder zur Bürgermeisterin der Stadt gewählt. Die KPÖ erhielt die meisten Stimmen in der Stadt. Dahinter folgen ÖVP und Grüne. Wir gratulieren herzlich!

Wupper, Brücke, Bahn

Auch in unseren Kreisen, die wir uns sehr sorgen um die uns umgebende Natur, im Wissen darum, dass wir Menschen selbst Teil dieser Natur sind, sollten hin und wieder Blicke werfen auf die Zustände eben dieser Natur, im Guten wie im Schlechten. Vom Guten wird in der Lokalpresse am 30.6. im Tageblatt berichtet über den Bergischen Fischereinverband. Dieser kümmert sich schon viele Jahre um den Fischbestand in der Wupper. Dieser war durch die Industriealisierung ganz oder fast ganz verschwunden. Kürzlich wurden 25.000 junge Meerforellen ausgesetzt; jetzt wieder 10.000 junge Lachse, die sie selbst nach ihrer Geburt ausgezogen hatten, bis sie 10 cm groß waren. Ausgesetzt jetzt in der Hoffnung, dass sie nach einem Jahr den Weg zurück finden vom Meer in die Wupper. Wie der Verein mitteilt, ist der Erfolg der Aktion bescheiden: Zu viele Gefahren lauern ihnen auf dem Rückweg. Dennoch haben sich der Fischbestand, die Fauna wie auch die Flora, dank des Menschen Hilfe zum Guten verbessert. Hoffnung also; den Aktiven gebührt Dank.

Wer war eigentlich dieser „Teo-Otto“ aus Remscheid, nach dem das Stadttheater Remscheid benannt ist, . Das Theater ist auch Spielort der hochgeschätzten Bergischen Symphoniker, die wir Solinger mit Remscheid „teilen“.

Teo Otto war Bühnenbildner in Berlin. Hatte am Bauhaus studiert. 1933 musste er vor den Nazis fliehen, ging in die Schweiz. Dort wurde er zum gefragtesten Bühnenbildner des deutschsprachigen Raum und arbeitete mit Max Frisch, Friedrich Dürrenmatt und vor allem Bertolt Brecht zusammen. Von Theo Otto stammt Idee des Bildes der „Mutter Courage“ mit dem berühmten Marketenderwagen. Teo Otto wurde schweizer Staatsbürger, blieb aber mit seiner Heimat verbunden. Er starb 1968. Bertolt Brecht widmete ihm die folgenden Zeilen:

„Theo schwanke nicht. Die Welt ist noch nicht am Ende. Und du stehst noch auf beiden Beinen. Und die Arbeit ist noch da. Der Plan ist noch nicht erfüllt. Die Zeit ist noch nicht vorbei“. (BB1956)

(Die Informationen sowie den Brecht-Text entnahmen wir der Zeitschrift der Regionale – Neues Sehen – Unterwegs im Bergischen Land- Seite 15, Beilage im Solinger Tageblatt am 4.7.26).